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Armutsschatten
Unter all diesen Träumen auf der Mülldeponie
schwirrt leise eine Melodie.
Sie stammt aus Kindertagen,
die uns noch immer sagen:
Wie schön ist die Welt
ohne Macht und Geld.
Ganz ohne Macht und Geld
Seit frühester Jugend anvertraut,
sind Freunde wie Brüder.
Der eine auf den anderen baut,
so ziehen die Sommer vorüber.
Wer weiß denn schon was morgen ist,
solange du noch bei mir bist.
Solange du bei mir bist.
So gingen sie beide der Wege,
die längst von vielen beschritten.
Dem einen die Privilege,
der andere wurd' abgeschnitten.
Ihr wart einst vereint, habt zusammen gelacht, geweint
und doch den Freund verneint.
Mach auf die Hand, sei bereit für den Hohn,
denn du kriegst nur den Hungerslohn.
Wenn andere längst zufrieden schauen
wirst du nur immer weiter zerhauen.
Oh schäm' dich und gräm' dich.
Warum warst du so dämlich?
Kaputtes altes Pferd,
bist längst schon nichts mehr wert.
Der andere definiert sich an des nächsten Leid.
Wie soll er auch anders, als Kind seiner Zeit.
Spürt insgeheim jene Einsamkeit,
die entsteht, wenn es nach Geborgenheit schreit.
Sitzt zweifelnd und verlassen
auf Villabetonterrassen
und sehnt den Freund herbei,
der damals einerlei.
So schauen sie beide auf die Uhr
und fragen sich manchmal „Wo bleibt er nur?“
es entrinnt die letzte Lebenszeit
die abgelaufen sie endlich befreit
Den Bruder den sie hatten,
längst Futter für die Ratten.
Ein dunkler Armutsschatten.
Erinnerst du dich vielleicht an mich
einst saßen wir an einem Tisch
und heute ist der Tisch so leer,
oh wenns nur irgendwie möglich wär'.
Ach kommt doch, ihr Fremden!
Lasst uns das Schicksal wenden.
Wir waren immer gleich
und weder arm noch reich.
Was soll denn diese Schlacht,
die nur von Gier entfacht.
Seht her sie zieht vorüber,
sind wieder Schwestern und Brüder.
Was wir schon immer hatten,
erlöst den Armutsschatten.
FOGEL F – politischer Liedermacher